Meine Gedanken kreisen im Moment und ich versuche mal ein bisschen Struktur hineinzubringen.
Der Mann und ich waren gestern auf dem Infoabend für werdende Eltern in unserem favorisierten Krankenhaus. Es ist eins der beiden Krankenhäuser in der Stadt, die ein angeschlossenes Perinatalzentrum haben, mit Schwangerschaftsdiabetes rät man dazu in einem solchen Krankenhaus zu entbinden. Wir wollten uns aber ohnehin dieses Krankenhaus anschauen, also auch schon vor der Diagnose Schwangerschaftsdiabetes. Einfach weil es auf uns einen guten Eindruck machte und als ich in der 22. Woche einmal panisch dort war, fühlte ich mich auch gut aufgehoben.
Mal so in Kurzform zum gestrigen Infoabend: das gesamte Krankenhaus bestätigte unseren guten Eindruck, es wurde ausführlich über alles (natürliche Geburt, Kaiserschnitt, Wassergeburt, PDA usw…) informiert und Fragen wurden anschließend auch beantwortet. Nach der Fragerunde ging es zur Geburtsstation und den vier Kreißsälen. Tja und da beginnt dann irgendwie mein komisches Gefühl. Es war so merkwürdig da inmitten eines Raumes zu stehen, in dem ich mein Kind zur Welt bringen werde. Kann ich mir das vorstellen? Es waren sehr viele Menschen gestern dort und der Kreißsaal war dementsprechend völlig überfüllt, also konnte ich mir nicht so ganz in Ruhe mal alles ansehen. Ich habe nur zwei Kreißsäle richtig von innen gesehen, in den großen mit Gebärwanne habe ich nur einen ganz flüchtigen Blick geworfen, da war es einfach zu voll.
Die Wöchnerinnenstation haben wir auch gesehen, das fand ich aber sehr unspannend. Krankenhaus eben. Es gibt Familienzimmer und in den anderen Zimmern wird versucht nicht mehr als zwei Frauen zusammen in ein Zimmer zu legen.
Und meine Gedanken kreisen weiter und das Thema Geburt wird allmählich doch greifbarer. Ich sag mal vorweg: ich habe vor der Geburt an sich keine Angst. Dass eine Schwangerschaft mit einer Geburt endet war mir klar und bisher zumindest mache ich mir darüber keine Gedanken. Vielleicht habe ich da den Vorteil der naiven Erstgebärenden, denn ich kann das bisher sehr entspannt auf mich zukommen lassen. Was mir allerdings Sorge bereitet ist das Drumherum und dass ich nicht alles planen kann. Meine (Wunsch-)Vorstellung bisher ist: der Mann wird bei der Geburt dabei sein, wir werden nach der Geburt erst in Ruhe kuscheln, irgendwann dann die Familie informieren und dann in Ruhe weiterkuscheln. Kein Besuch, kein Tamtam, ganz viele Ruhe für uns drei. Sag das mal so der Familie! Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich das so möchte, um direkt jeglichem Streit aus dem Weg zu gehen und für mich doch ein bisschen Sicherheit zu schaffen. Es gab natürlich Auseinandersetzungen deswegen und meine Sorge steigt. Ich habe wirklich Angst davor, dass irgendwer sich direkt auf den Weg macht “um mal nur kurz das Baby zu sehen”. Ich habe außerdem Angst, dass jeder Besucher sich mein eventuell auf mir schlafend kuschelndes Baby schnappt um es mal kurz zu halten. Klingt absurd, aber DAS sind meine Ängste. Natürlich weiß ich, dass es auch ganz anders kommen kann und ich vielleicht so fit oder euphorisch bin, dass ich sofort jedem mein Baby zeigen möchte. Aber das möchte ich einfach spontan entscheiden.
Der Mann hat das strengste Verbot niemandem mitzuteilen, wenn wir uns auf den Weg ins Krankenhaus machen und keine “Baby ist da”-SMS zu schreiben, bevor ich es nicht erlaube. Diese allerersten ruhigen Stunden als Familie, die will ich wirklich für uns haben. Meine Hoffnung ist, dass das Baby nachts kommt und man dann morgens früh die obligatorische SMS schreibt. Das soll sich nicht so anhören, als würde ich meine Familie da ausschließen wollen oder ihnen etwas vorenthalten, denn ich weiß ja wie sehr sich alle auf unser Baby freuen und wie wahnsinnig aufgeregt ich wäre wenn jemand anderes ein Baby bekommen würde. Dennoch, die ersten Stunden sollen uns gehören und ab da möchte ich es dann je nach Gemütslage entscheiden. So eine Geburt ist ja weder für mich noch für mein Baby ein Spaziergang.
Ein weiterer Gedanke ist, ob ich ambulant entbinden könnte oder nicht. Mir wurde da schonmal die Illusion genommen, denn mit Schwangerschaftsdiabetes überwacht man den Blutzucker des Kindes wohl zumindest einen Tag. Wobei ich solche Dinge gern nochmal in einem persönlichen Gespräch im Krankenhaus klären möchte. Meine (Wunsch-)Vorstellung war bisher eine ambulante Geburt, mittlerweile habe ich mich aber an den Gedanken gewöhnt eventuell im Krankenhaus zu bleiben. Auch hier ist mir völlig bewusst, dass es auch sein kann dass ich freiwillig gern im Krankenhaus bleibe (weil so erschöpft, überfordert, was auch immer). Könnte ja auch einfacher sein den Familienbesuch im Krankenhaus “abzufertigen”, da macht es sich zumindest keiner lang auf der Couch bequem. Das sind für mich nur alles so unplanbare Faktoren, auf die ich lieber verzichten würde (ich blöder Planungsmensch, echt mal).
Zurück zum Krankenhaus: nachdem ich alles hab auf mich wirken lassen, habe ich eben einen Termin für ein Geburtsplanungsgespräch vereinbart, da dürfen wir uns auch nochmal (wenn grad nicht belegt) den Kreißsaal in Ruhe anschauen. Passenderweise ist dieser Termin am Geburtstag des Mannes – genau ein Jahr vorher haben wir entschieden mit der Kinderplanung zu beginnen.