Wir haben nun 24 Stunden Krankenhaus hinter uns und ich bin erschöpft und müde, aber froh dass alles gut ist.
Am Sonntag bei der Tauffeier bemerkte ich rote Punkte am Kopf des Julimädchens, dachte mir aber nichts weiter dabei. Am Montag Mittag sagte der Mann, dass die ganz schön rot seien und so viele und ich bat ihn beim Kinderarzt anzurufen. Der bestellte uns für den Nachmittag in die Praxis. Ich machte noch Witze darüber, dass wir unerfahrenen Ersteltern wegen ein paar Punkten zum Arzt gehen, aber wir haben halt keine Ahnung und lassen dann lieber mal draufgucken. Ich war der festen Überzeugung, dass wir mit einer ganz banalen Erklärung wieder nach hause geschickt werden würden.
Die Arzthelferin guckte bei der Begrüßung kurz drauf und sagte “sieht aus wie Hitzepickelchen” und ich fühlte mich schon total überbesorgt. Wir warteten dann ca. eine Stunde im Wartezimmer bis wir drankamen, was am späten Nachmittag schon etwas nervenaufreibend war, denn sie wurde langsam müde. Um 17.15 Uhr kamen wir dran und machten dann die Ärztin ratlos. Sie guckte und guckte, überlegte, zögerte. Sie nahm einen kleinen Glasträger und drückte damit auf die Punkte, die durch den Druck nicht weniger rot wurden. Das war für sie wohl ein Zeichen, dass das irgendwie doof ist, das wusste ich da aber noch nicht. Sie wollte dann gern Blut abnehmen, was mich schon völlig überforderte in dem Moment. Die Arzthelferin piekste dem Julimädchen in den Finger und nahm mit einem Glasröhrchen Blut ab. Das Julimädchen schrie wie am Spieß und es blutete richtig doll. Mir tat das so weh auch noch ihren Arm festhalten zu müssen. Auch danach beruhigte sich das Julimädchen kaum noch, sie schrie immer weiter und ich stillte sie im Wartezimmer zur Beruhigung.
Kurze Zeit später kam die Arzthelferin und bat uns ins Labor. Zwischenzeitlich hatte ich den Mann herzitiert, da ich schon nassgeschwitzt von der Blutabnahme war. Im Labor sollten wir uns setzen und dann kam der doofe Satz “Die Ärztin würde sie schon ganz gern jetzt ins Krankenhaus überweisen”. Uff. Da war ich echt geschockt und musste schwer damit kämpfen nicht in Tränen auszubrechen. Die Ärztin konnte das Blut nicht auswerten und war weiterhin besorgt. Mit der Diagnose “Petrechien, Verdacht auf Gerinnungsstörung” wurden wir also ins Krankenhaus geschickt.
Um 18.30 Uhr kamen wir am Krankenhaus an, um 19 Uhr wurden wir aufgenommen. Zwischenzeitlich hatten wir nur schnell ein paar Sachen in einen Koffer geschmissen und das Julimädchen gefüttert. Bei der Aufnahme wurden dann nochmal alles gründlich untersucht. Gemessen, gewogen, Fieber gemessen, gründliche Anamnese und die Ärztin untersuchte jeden Zentimeter ihres Körpers. Wir erfuhren dann auch wieso man sich da so sorgt, denn Petrechien (diese roten Punkte) können ein Indiz für schwerwiegende Krankheiten sein, die man unter Umständen sofort hätte behandeln müssen. Die Punkte befanden sich ausschließlich am Kopf, das sind kleine Einblutungen in der Haut, die sich zum Beispiel bei Anstrengung ganz dunkel färben. Ihr wurde über einen Zugang auf der Hand dann nochmal Blut abgenommen für ein ausführliches Blutbild. Wieder weinte sie ganz schrecklich und uns Eltern blutete das Herz.
Dann ging es für das Julimädchen und mich auf die Säuglingsstation. Wir bezogen ein Zimmer, für mich wurde eine Notfalliege ausgepackt und das Julimädchen wurde verkabelt. Über Nacht wurde sie an einen Monitor angeschlossen, der Puls und Atmung kontrollierte. Um 21 Uhr konnte ich sie endlich einschlafgestillt und ausgiebig bekuschelt in das große Gitterbett legen. Zu dem Zeitpunkt konnte ich dann endlich mal kurz durchatmen, der Abend hatte mir wirklich zugesetzt.
Leider nicht lang, denn 1 1/2 Stunden später bekamen wir eine frisch notoperierte knapp 2-Jährige samt Mutter als Zimmergenossinnen, die beim Einzug das Julimädchen weckten, was sich wieder kaum beruhigen ließ. Ab da nahm die Nacht dann ihren Lauf, wie das so ist mit zwei verkabelten Kindern und besorgten Müttern. Die Kinder lösten ständig irgendwelche Alarme aus, weil sie sich zum Beispiel die Elektroden vom Bauch rissen oder die Infusion des anderen Mädchens leer waren. Das Julimädchen wollte natürlich auch im Krankenhaus nachts mehrmals gestillt werden, weckte damit das andere Mädchen, das andere Mädchen weinte nachts viel vor Schmerzen, weckte dadurch das Julimädchen. Und wir Mütter machten immer nur kurz die Augen zu und standen alle paar Minuten senkrecht im Bett bzw vor dem jeweiligen Gitterbett. Nicht zu vergessen die stündlichen Kontrollen durch die Nachtschwester, die sowohl das andere Mädchen als auch das Julimädchen kontrollierten mussten. Um 6 Uhr beendete das Julimädchen für uns alle die Nacht, da sie beim Stillen nicht mehr so tief einschlief dass ich sie zurück ins Gitterbett legen konnte, auf meiner Liege neben mir konnte sie aber auch nicht bleiben, das wäre zu gefährlich gewesen.
Um 8 Uhr kam der Mann zurück und bespaßte bis er zur Arbeit musste das Julimädchen, ich stelle mich gedanklich auf eine weitere Nacht im Krankenhaus ein. Morgens machte die Stationsärztin nämlich erstmal nur sehr vage Äußerungen und erklärte, dass man weiterhin sehr vorsichtig wäre und diese Punkte sehr ernst nehmen würde. Das Blutbild war zwar total unauffällig, aber irgendeine Ursache für die Petrechien müsste es geben und man wollte da nichts übersehen. Wir sollten nun auf den Oberarzt warten, der sich das auch nochmal ansehen wollte.
Um 10 Uhr kam der Oberarzt und blöderweise war der Mann grade kurz mit dem Julimädchen auf den Fluren unterwegs. Ich rannte raus und suchte ihn, aber sah ihn nirgens. Der Oberarzt ging, sagte er käme gleich wieder und natürlich kam eine Minute später der Mann zur Tür rein. Das war echt richtig blöd. Wir warteten nämlich dann über 5 Stunden auf den Oberarzt. Zwischenzeitlich versuchte ich das Julimädchen irgendwie zu bespaßen. Schonmal jemand versucht ein topfittes und mobiles Kind in einem kleinen Krankenhauszimmer zu bespaßen am besten ohne es auf den Boden zu lassen weil es dort alles anlutschen würde? Ha ha. Es war gelinde gesagt äußerst anstrengend und ich sehr müde von der Nacht. Das Julimädchen war auch müde, schläft aber bekanntlich auswärts so gut wie gar nicht. Wir schafften es irgendwann mittags gemeinsam zu einer Stunde Schlaf, das war Gold wert.
Den restlichen Tag schob ich das Julimädchen unzählige Male im Krankenhausbuggy den Flur auf und ab. Zu weit weg wollte ich nicht gehen, damit wir den Oberarzt nicht wieder verpassen und das Spielzimmer wurde erst später geöffnet. Als wir da irgendwann reinkonnten war es echt toll, das Julimädchen konnte sich endlich richtig austoben.
Blöd war auch, dass ich nicht in der Verpflegung drin war, ich war ja nicht der Patient. Da ich genau mittags die Öffnungszeiten der Cafeteria verschlief, hatte ich den ganzen Tag nichts zu essen.
Irgendwann kam der Oberarzt, guckte sich wieder ausführlich den Kopf und die Punkte an und beschloss, dass sich das noch ein Hautspezialist ansehen sollte. Er sagte aber schonmal, dass wir dann vermutlich nach hause gehen könnten mit der Bedingung alles weiter zu beobachten und bei Verschlechterung ihres Zustandes sofort wiederzukommen. Verschlechterung wäre zum Beispiel Fieber, Erbrechen, Ausweitung der Punkte oder ähnliches gewesen. Auch der Hautspezialist kam zu dem gleichen Ergebnis: manchmal gibt es das einfach. Mögliche Ursachen wären eine enge Mütze, die das Julimädchen am Sonntag zur Taufe ca. eine halbe Stunde trug (die schmeiß ich jetzt sofort in den Müll!) oder auch ein unentdeckter Infekt. Man kann es nicht genau sagen, aber etwas schwerwiegendes ist vermutlich nicht dahinter. Das ist sehr sehr erleichternd!
Um 18 Uhr kamen die Schwiegereltern und holten uns ab. Puh.
Es waren im Krankenhaus übrigens alle sehr sehr nett und um die Kinder wurde sich super gekümmert. Es wurde einem alles zu essen für die Kinder gebracht was man wollte und auch sonst war alles da. Die Zimmernachbarin war sehr nett und wir versuchten gegenseitig so gut es ging Rücksicht zu nehmen. Aber nochmal machen wir das bitte so schnell nicht!