Ansprüche

Bis vor kurzem dachte ich, ich wäre gar nicht so bedacht darauf „alles richtig“ zu machen in der Kindererziehung. Und jetzt wo ich grade einiges auf den Prüfstand stellen muss, um zu gucken an welchen Stellen ich mir das Leben ein bisschen einfacher machen kann, stelle ich fest, dass ich doch recht hohe Ansprüche habe.

Fernsehen zum Beispiel ist böse, das weiß man ja. Unter drei am besten gar nicht, danach nur in homöopathischen Dosen. So liest man es überall, selbst bei der Schuleingangsuntersuchung wurde nach dem Medienkonsum gefragt. Das führte in der Vergangenheit zwar nicht dazu, dass ich meine Kinder nicht fernsehen ließ, sehr wohl aber schürte es mein schlechtes Gewissen. Ausschlafen am Wochenende und die Kinder vorm Fernsehen parken? Neeein, das macht natürlich niemand. Ja doch, mache ich. Und stehe dann irgendwann mit schlechtem Gewissen auf.

Dafür muss man aber wenigstens genug an die frische Luft gegangen werden. Möglichst aufregende Ausflüge müssen geplant und durchgeführt werden, denn sonst hat man in der Erziehung versagt. Das Problem dabei ist, dass ich diese Gedanken wirklich immer im Hinterkopf habe. Einen freien Tag nur zuhause kann ich kaum genießen, denn das kleine Stimmchen im Kopf sagt mir, dass ich es hätte besser machen müssen. Andere machen schließlich auch so viel, spazieren kilometerweit oder füllen freie Zeit sonstwie sinnvoller.

An diesen Ansprüchen muss ich arbeiten. Meine Kinder verblöden vermutlich nicht, wenn sie zwei Stunden fernsehen. Und sie werden auch keine übergewichtigen Faulenzer, weil sie nicht täglich einen Marathon laufen. Also vielleicht werden sie das trotzdem, aber dazu muss wohl mehr passieren als fehlende Spaziergänge.

Wenn mein Bauch dann bald verstehen würde, was mein Kopf eigentlich weiß, wäre das Leben für mich also schon ein kleines bisschen einfacher.

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2 Kommentare zu “Ansprüche

  1. Ich kann dich total verstehen! Es wird einem als Mama aber auch an allen Stellen vorgemacht, dass alle anderen es immer richtig machen und pädagogisch wertvoll mit ihren Kindern umgehen. Aber ich denke, dass ein Gammeltag zu Hause, bei dem mal ferngesehen wird, auch die Kinder entspannt. Haben sie doch im Kindergarten jeden Tag Action!

  2. Du sprichst mir aus der Seele! Herrlich zu wissen, dass ich damit nicht alleine bin… ja auch ich parke meine Kids vor dem TV und laufe im Kopf Kilometer und tu es dann leider doch nicht. Aber mich beruhigt, dass meine Kids auch mal selbst den TV abstellen und finden „Maaaami, dürfen wir in den Garten?“ 😉 Herrlich und so beruhigend! Ich denke es geht fast allen Eltern so, nur ist es ein Tabu-Thema… und ganz ehrlich, wenn ich alles machen würde was ich in meinem Kopf plane – die armen Mäuse – die wären total überfordert! Du machst das schon richtig… und solange die Kinder glücklich und zufrieden sind ist es doch auch die Mama oder? 😉 Viel Glück weiterhin…

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